INTERVIEW

Kapitän mit Umweltbewusstsein

Ein Interview mit einem Skipper, der einen kritischen Blick auf ein immer voller werdendes Balearenmeer hat
BETTINA NEUMANN

Thomas Zehnpfennig ist seit 1992 Yachtkapitän auf Mallorca. Der studierte Pädagoge aus Unna erbte die Segelleidenschaft von seinem Vater, der sich stets auf seiner Yacht in Holland  vom Berufsstress erholte. Vor mittlerweile 35 Jahren fasste er den Entschluss, die Seefahrt zum Beruf zu machen. Es folgten Segelschule, Patent der Sport- und Hochseeschifffahrt und Zusatzausbildung in Sturm- und Überlebenstaktiken bei einem ehemaligen Marinekommandanten. Über ein Projekt des Hochseecharterns der Tui lernte Thomas Zehnpfennig die Balearen kennen – und blieb. Erst arbeitete er auf verschiedenen Yachten in Alcúdia, danach im Real Club Náutico Palma und seit fünf Jahren ist er im Club de Mar Mallorca.



 



-Wie lebt es sich als Kapitän auf Mallorca?



-Sehr gut. Ich habe Palma von Anfang an ins Herz geschlossen, selbst als noch das Klischee der Putzfraueninsel herrschte. Ich liebe die Kultur hier. Zunächst habe ich auf Schiffen gewohnt, doch seit 12 Jahren habe ich eine kleine Wohnung in Palma.



-Sind Sie täglich auf der Ihnen anvertrauten Yacht?



-Ja, nahezu. Dabei poliere ich das Schiff nicht jeden Tag. Man kann ein Schiff im wahrsten Sinne des Wortes auch wegputzen. Ich frage mich immer, wie kann ich Wasser sparen? Die Verschwendung beim Putzen ist angesichts der Wasserknappheit grenzenlos. Und wer mit allzu viel Chemie reinigt, der tut weder dem Teakholz noch der Umwelt einen Gefallen. Schmierseife und Essig sind da viel empfehlenswerter.



-Wie ist die Atmosphäre im Club de Mar?



-Seit einiger Zeit beobachte ich, dass sich der Club mit Aktivitäten bemüht, sich auch einem breiteren Publikum zu öffnen. Den Zuwachs einer familiären Atmosphäre finde ich begrüßenswert.



-Was hat sich auf See verändert?



-Nach mittlerweile fast 30 Jahren in der Branche muss ich leider feststellen, dass die Hilfsbereitschaft untereinander abnimmt. Ich hatte immer einen guten Draht zu den Fischern, doch das hat sich verändert. Verständlicherweise wird die zunehmende Anzahl von Booten als störend empfunden. Ich finde, man sollte das Meer nicht als eine Fläche betrachten, die immer weiter kommerzialisiert werden kann. Wir sollten ihm wieder mit mehr Demut und Respekt begegnen und viel vorsichtiger mit den Ressourcen umgehen.



-Was bemängeln Sie?



-Es sollte viel mehr an die Umwelt gedacht werden. Teilweise verändert sich ja auch bereits einiges: So werden mittlerweile sogar Frachtschiffe wieder mit Segel ausgestattet und konkurrieren mit der Maschinenschifffahrt. Ich bin ein großer Freund klassischer Schiffe, speziell der Drachenboote. Ich halte nichts von einer immer komplizierter werdenden Technik. Wenn in einem Seenotfall der Schaden mit Bordmitteln nicht mehr alleine zu beheben ist, dann leidet die Sicherheit. Safety first! Leider ist das nicht mehr so, und man ist immer mehr auf externe Hilfe von außen angewiesen. Ich mache alle Wartungs- und Pflegearbeiten selbst und schätze solides Handwerk. Zum Glück lässt mir mein Eigner da freie Hand.



-Wie ist die Lage auf dem Meer?



-Jedes Jahr wird es überall voller. Ich verstehe, dass Mallorca strategisch eine sehr interessante Lage hat und ein Brennpunkt für die Nautikindustrie ist, was sich positiv für die hiesige Wirtschaft auswirkt. Doch noch mehr Bewusstsein, ja ein Umdenken und eine umweltschonende Technologie sind wichtig. Jedes Jahr beobachte ich mehr Müll im Meer. Sind jetzt wieder mehr Delfine zu beobachten, so doch nur, weil sie aufgrund des abnehmenden Fisch-bestandes in den Küstengebieten jagen müssen. Ich bin kein Freund von Überreglementierungen, aber Umweltsünden sollten stärker geahndet werden. Wir Seeleute haben eben eine andere Perspektive und Relation zum Wasser.