MEINUNG

Von Sydney lernen …

Martin Muth

Ich gestehe, ich bin kein Regatta-Segler aus tiefstem Herzen. Habe zwar selbst an einigen Wettbewerben teilgenommen über die Jahre, von Kiel über Cowes und Antigua bis nach Palma, aber am Ende liebe ich das Segeln nicht deswegen, weil ich schnell am Ziel sein möchte. Zügig unterwegs sein ja, aber nicht rasen.



Und dann das: Fern vom alten Zuhause ist unsere Tochter in down under zur Schnellseglerin mutiert. Begibt sich aus freien Stücken in die Big Boat Szene im australischen Segelmekka Sydney. Nimmt sogar am traditionsreichen und nicht weniger berüchtigten Rennen nach Hobart teil, Hauptstadt der Insel Tasmanien im Süden des Subkontinents. Beim ersten Mal mit wenig Erfolg, beim zweiten Mal mit deutlich mehr.



Ich darf dabei sein. Zumindest beim Start. Und erlebe eine Dimension der Segelbegeisterung, die ich mir für Palma wünschen würde. Natürlich gibt es auch in good old Europe da und dort diese unmittelbare Teilhabe der Zuschauer am Rennen auf dem Wasser. Aber Sydney am 26. Dezember zeigte einmal mehr, was möglich ist: Von einer flachen Steilküste beim Southhead verfolgten viele Tausende die Startkreuz.



Dazu hunderte Boote, die das Feld der Yachten hinausbegleiten aus der Bucht von Sydney. Schäumende Kielwasser säumen die Rennstrecke. Es ist das Idealbild einer Segelveranstaltung, an der das Publikum fast ebenso Anteil nehmen kann, wie die Segler selbst. Dieses Spektakel ist natürlich nur der perfekten Umgebung wegen mög-lich: weil die Yachten auf einer überschaubaren Wasserfläche unterwegs sind, bevor sie dem Horizont und Hobart entgegenstreben und weil es für die Zuschauer zahlreiche erhöhte Plätze gibt, die den Blick auf das Teilnehmerfeld erlauben.



Das kann die Bucht von Palma, so schön und von perfekter Größe sie auch sein mag für viele Regatten, leider nur im Ansatz liefern. Und doch animiert mich das Erlebte, die Regatta-Organisatoren auf Mallorca zum Nachdenken anzuregen, wie und wo man auf der Insel einen Start im Sinne der Öffentlichkeit gestalten kann. Nahe an einer erhöhten Küste und auf einem Areal, das gut einsehbar ist. Die Bucht von Santa Ponsa wäre eine solche „Location“ oder beim Leuchtturm auf der Punta de Cala Figuera, der den südwestlichen Punkt der Bahía de Palma markiert. Auch die Steilküste nahe des Militärmuseums Sant Carles am Fuß der Westmole von Palmas Handelshafen könnte eine Option sein.



An einer dieser Stellen eine Startlinie auszulegen, zum Beispiel am Tag der klassi-schen Schooner während des Maxi-Cups, würde die Faszination des Segelsports völ-lig anders transportieren und sei es nur für weniger als eine halbe Stunde. Die Möglichkeit wäre da …