WINTERGEHEIMNISSE

Stand Up Paddle – das geht sogar im Winter

Wer im Winter aufs Stand Up Paddeln wagt, hat das Meer für sich alleine
BETTINA NEUMANN

Im Sommer hatte ich das Vergnügen, auf den Geschmack des Stand Up Paddeln zu kommen. Gleich morgens um 7.30 Uhr, als noch niemand am Strand war, genoss ich den Sonnenaufgang, das stille, kristallklare Meer, die Schönheit vor meiner Haustür und den inneren Frieden, den diese Sportart bei gleichzeitiger körperlicher Ertüchtigung, die alle Muskeln erfasst und formt, verleiht. Es ist diese Morgenstimmung, die ich beim Stand Up Paddeln so besonders genieße.



Dann kam der Herbst und die Sonne ging immer später auf. Musste ich jetzt auf meine neue Leidenschaft verzichten? Nein, trotz Zeitumstellung und obwohl schon November ist, geht es bis jetzt munter weiter. Zumindest an den sonnigen und windstillen Tagen. Wer das Stand Up Paddeln einmal gelernt hat, fällt so schnell nicht mehr ins Wasser. Und selbst wenn: Das Meer ist ja immer noch nicht wirklich kalt und hat dank des milden Klimas zurzeit noch 19 Grad. Jetzt genießt der Paddler das Meer für sich alleine – zu welcher Tageszeit auch immer. Die Strände sind leer, man belästigt niemanden am Strand mit dem doch recht sperrigen Brett, das mit gerade mal 6 Kilo aber leicht und gut tragbar ist. Und auch kein Schwimmer kommt einem jetzt in die Quere. Wer mit dem Auto zum Strand fährt, der findet an den Stadtstränden nun Parkplätze noch und nöcher.



Ein paar Dinge sind jedoch zu beachten: Zu aller erst sich sollte man sich jetzt nicht weit von der Küste entfernen, aber das sollte man eigentlich nie. Zweitens achte man auf den Wind, dass kein tückischer Nordwind oder allzu ablandiger Wind herrscht. Ich hatte schon Tage, an denen ich morgens bei Sonnenschein losgepaddelt bin. Plötzlich aufziehende dunkle Wolken lehrten mich, immer schön in Küstennähe zu bleiben. Auch ziehe ich jetzt ein T-Shirt über den Bikini, denn verschwindet die Sonne mal kurz hinter einer Wolke oder kommt ein bisschen Wind auf, ist es „angezogen“ doch viel angenehmer. Wobei das Paddeln an sich dafür sorgt, dass es einem warm wird.



Die Sicht bis in die Tiefen des Meeres ist spektakulär: Ich kann sehen, wie Fische unter mir her flitzen und die wichtigen und schützenswerten Posidonia-Seegraswiesen erkennen. Gerade erst heute sprang ein Fischschwarm vor mir aus dem Wasser. Das Meer ist spiegelglatt, keine Boote sorgen für plötzliche tückische Wellen. Oft paddele ich vom Illetas Hauptstrand bis in die Cala Comtessa oder in die andere Richtung an den verlassenen Hotels und ein paar einsamen Anglern vorbei. Danach springe ich sogar noch einmal kurz ins Wasser und schwimme ein paar Züge, als krönender Abschluss meines morgendlichen Sportprogramms. Dann heißt es, schnell abtrocknen, anziehen und einen heißen Tee trinken, den ich in einer Thermoskanne mitgebracht habe. Erfrischt starte ich in den Tag.



Ich bin gespannt, wie lange ich noch paddeln kann. Bis zu den stillen und meist so freundlichen Januartagen, den calmas de enero? Das hoffe ich sehr und plane schon, demnächst einen Neoprenanzug und Tauchschuhe zu kaufen, vor allem letztere, damit die Füße, die eigentlich immer nass werden, nicht zu kalt werden.



Wer hätte das gedacht, dass SUP sogar in dieser Jahreszeit noch derart verlockend ist. Was für eine Gnade! Ob ich es wohl schaffe, einmal rund ums Jahr zu paddeln?