REPORTAGE

Künstler des Meeres: África Juans gestörter Frieden

Die Künstlerin África Juan bildet Zeit ihres Lebens das Meer ab, jetzt sieht sie ihre Welt bedroht
BETTINA NEUMANN

Einsame Strände, verträumte Buchten, kleine Fischerboote, azurblaues Wasser – das sind die Lieblingsmotive der mallorquinischen Künstlerin África Juan. Licht und Farbe werden mit der Schönheit des Mediterranen kombiniert. Sie sagt:„Meine Malerei basiert auf der Erfahrung der Beobachtung, der Abstraktion und der Meditation“. Während sich die Motive in erster Linie um das Meer und die alten Bräuche der Fischer drehen, so liebt es die Künstlerin, mit verschiedenen Stilen zu spielen: mal naturalistisch, mal abstrakt und derzeit bevorzugt surrealistisch – in Öl, in Acryl oder in Mischtechnik.



Doch neuerdings tauchen auf ihren Werken eigenartige, störende Elemente auf: Abwasserrohre ziehen sich am oberen Bildrand entlang, während darunter schillernde Quallen oder bunte Fische schwimmen. In einem Bild sind am Meeresgrund keine Muscheln und Pflanzen mehr, sondern ein dickes Abwasserrohr, daneben liegt Müll, darunter sogar eine echte halbe Plastikflasche, dargestellt in einer dreidimensionalen Mischtechnik. Das Werk trägt den Namen „Vertidos, plásticos, cianobacterias“ („Abwässer, Plastik, Blaualgen“). „Ich fühle die Notwendigkeit, anzuklagen, was gerade in meiner Welt passiert“, so die Künstlerin und greift zu ihrer Waffe, dem Pinsel. Auch wenn sich diese Bilder wohl nur schwer verkaufen lassen, ist eine neue Serie entstanden: „¡Alarma! Salvemos el mar“ (Alarm! Retten wir das Meer) soll sie heißen und das Schöne mit dem Desaster konfrontieren.



„Das Meer ist meine Welt, ich übertrage den Frieden auf meine Bilder, dabei fühle ich mich wohl“, erzählt die in Palma geborene África, die diesen besonderen Namen trägt, weil ihre Eltern bei der Geburt der letzten, unerwarteten Tochter etwas „Originelles“ tun wollten. Áfricas Tante war die bekannte mallorquinische Schriftstellerin und plastische Künstlerin Caty Juan. Doch África geht eigene Wege, malte schon als Kind und studierte künstlerisches Zeichnen an der Schule für Kunst und Handwerk in Palma. Seit der Geburt des letzten ihrer drei Kinder widmet sie sich auf professionelle Art der Malerei. Ihre Kunst ist begehrt: „Die Leute setzen sich vor mein Bild und entspannen“, berichtet sie über das Feedback. Wann immer möglich, sucht África ihr Atelier in Santa Ponsa auf, um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und ihrer friedlichen Welt, die ohne Menschen auskommt, auf verschiedenste Art und Weise auf der Leinwand Ausdruck zu verleihen. Zuvor macht sie in den frühen Morgenstunden einen Spaziergang – na wo wohl? Am Strand: „Das Meer gibt mir Energie und Frieden.“ Segelboote und Regatten gehören zu ihren Themen, sie selbst segelt gerne und geht – wann  immer Zeit ist – mit ihrem Mann hinaus aufs Wasser. Ihre Kunst hat nicht nur auf Mallorca Fans, die auch gerne Motive bei ihr bestellen, sondern ist auch auf dem Festland und im Ausland gefragt und auf europaweiten Kunstmessen präsent. Zur letzten Kunstnacht von Palma, der „Nit de l´Art“, eröffnete sie eine Ausstellung unter dem Titel „S.O.S. Salvemos el mar“, die noch bis zum 26. Oktober bei Alma Vintage auf den Ramblas (5) zu bewundern ist. Ansonsten kann, wer möchte, die África in ihrem Atelier besuchen und hier in ihre künstlerischen, noch intakten und weniger intakten, Meereswelten eintauchen.



Infos : www.africajuan.com