REPORTAGE

Tsunamis heißen auf den Balearen „Rissagas“

Die Flutwellen sind gefährlich, doch es können Maßnahmen ergriffen werden, um Schäden zu vermeiden
Juan Poyatos

In China sind sie unter dem Begriff „Abaki“ bekannt und in Japan als „Tsunami“, was übersetzt „Große Welle im Hafen“ heißt. „Tsunamis“ haben ihren Ursprung normalerweise in unterirdischen Seebeben, deren große Wellen bis in die Häfen gelangen. Auf den Balearen werden sie „Rissagas“ genannt, und ihr Entstehen hat meist meteorologi-sche Ursachen.



Die Rissagas sind sehr plötzliche und mächtige Phänomene, so wie am 16. Juli 2018 in Alcúdia geschehen. Glücklicherweise gab es durch diese Flutwelle keinen großen Schäden im Gegensatz zu der großen Rissaga von Ciutadella, bei der es im Juni 2006 eine Wasserverdrängung von bis zu vier Metern auf Meereshöhe gab. Der Schaden war erheblich, auch wenn keine Personen verletzt wurden.



Die offiziellen meteorologischen Vorhersagedienste geben für die Inseln in der Regel jedes Jahr bis zu 50 Risikowarnungen aufgrund von Flutwellen heraus. Die Mehrzahl von ihnen ist jedoch kaum wahrnehmbar oder von sehr langsamer Bewegung. Wenn jedoch die ent-sprechenden Umstände eintreten – starke Winde in der Troposphäre und sehr warme Luft an der Mee-resoberfläche – können Resonanz-effekte auftreten, die insbesondere in geschlossenen und langen Häfen wie dem von Ciutadella das Wasser in nur wenigen Minuten über die Kaimauer treten lassen. Erst zurückziehend und sich dann wieder aufbäumend reißt das Wasser mit voller Kraft und Geschwindigkeit Boote und alles, was sich ihm in den Weg stellt, davon.



Das beste Mittel, um Unfälle und Schrecken zu vermeiden, besteht darin, auf die Funkwarnungen des UKW Kanals 16 zu achten. Wird eine dieser Warnungen herausgegeben, während wir uns in einem Hafen oder in einer geschlossenen Bucht auf den Inseln befinden, sollten wir mit anderen Bootsfahrern Kontakt aufnehmen und am besten bei den Einheimischen oder Bootsleuten im nächsten Hafens nachfragen. Die Seefahrer vor Ort können Gastschiffe am besten darüber informieren, wie und wo jetzt ankern sollten, um Risiken zu vermeiden.



Was beispielsweise die Einwohner von Ciutadella tun, die von diesem Phänomen baleraenweit am meisten bedroht sind, ist, die Fest-macherleinen etwas länger zu lassen und mit einem Gewicht in der Mitte zu versehen. Auf diese Weise kann das Boot mit den Wellenbewegungen mitgehen, ohne dass die Vertäuung reißt und das Boot abtreibt. Erfahrene Skipper vor Ort zu fragen, um Rat zu bitten oder ihnen unsere Zweifel und Befürchtungen mitzuteilen, ist zweifelsohne das beste Mittel, um die versteckten Gefahren hiesiger Gewässer kennenzulernen.