INTERVIEW

„Der Hafen umarmt dich, sobald du ihn betrittst“

Corinna Graf, CEO von Puerto Portals, spricht über die Zukunft des Hafens
BETTINA NEUMANN

Das Kapitänsamt befindet sich in dem emblematischen Turm im Hafen von Portals. Hier herrscht ein reges Kommen und Gehen. Im Zentrum des Geschehens steht eine Frau: Corinna Graf, Unternehmerin und Tochter des deutschen Industriellen und Hafengründers Klaus Graf. Die hübsche, rothaarige junge Frau hat nicht nur viele Veränderungen für den Hafen vor, sondern scheint die Pläne mit großer Leidenschaft anzupacken.



Die Konzession für den Hafen wurde um 35 weitere Jahre verlängert. Wie sehen die hauptsächlichen Herausforderungen für den Betrieb aus? Kurzfristig, mittelfristig und langfristig?



Es sind natürlich die baulichen und infrastrukturellen Veränderungen, die uns zunächst einmal kurz- und mittelfristig beschäftigen. Einige sind bereits erfolgt: Wir haben die Außenkaimauer verstärkt, den Turm instand gesetzt und die Segelschule auf Vordermann gebracht. Die nächsten größeren Bauvorhaben werden ein unterirdischer, bzw. unter dem Wasser liegender Parkplatz sein sowie neue Gebäude auf dem Trockendockbereich. Dazu gehören auch neue Gewerbeflächen und eine Veränderung der Verkehrsführung, indem eine neue Fußgängerzone zwischen dem Restaurant Ritzi und dem Dockbereich eingerichtet wird. Außerdem bauen wir einen komplett neuen Beachclub mit Panorama-Restaurant und überholen und modernisieren die Bootsstege.



Welcher Zeitraum ist für die Bauarbeiten geplant?



Die Bauarbeiten beginnen im Herbst und gehen über drei Jahre, genauer gesagt über vier Winter, da wir in den Sommermonaten nicht bauen. Insgesamt investieren wir 27 Millionen Euro. Die größte Herausforderung ist wohl, die Baumaßnahmen so durchzuführen, dass sich die Nutzer und Besucher des Hafens nicht gestört fühlen.



Welche Veränderungen gibt es in umweltverträglicher Hinsicht?



Die Verbesserungen in der Energieeffizienz zählen ebenfalls zu den kurz- und mittelfristigen Aufgaben. Wir verbessern die Mülltrennung, überholen die Tankstelle und richten Auflade-Stationen für E-Autos ein, außerdem wird das Beleuchtungssystem energiesparender und das Kommunikationssystem auf Glasfaser umgestellt. Zusätzlich werden die bestehenden Gebäude energiesparend umgerüstet.



Und welche Herausforderungen sehen Sie längerfristig?



Eigentlich nur, dass wir weiterhin so ein gefragter Treffpunkt für Bootsfahrer und Besucher sind und unser familiäres Ambiente erhalten bleibt. Und dass die neuen Restaurants, Bars und Geschäfte, die in näherer Zukunft entstehen werden, so gut angenommen werden wie die bisherigen. Geplant sind übrigens auch noch ein Fitnesszentrum und ein Multifunktionsgebäude.



Was hat Portals, was andere Häfen nicht haben?



Ad hoc nenne ich es die Seele des Hafens. Puerto Portals erweckt positive Gefühle. Es ist, als würde dich der Hafen umarmen, wenn du ihn betrittst, so drücken wir es gerne aus. Und natürlich arbeiten wir immer hart für die beste Qualität und „Exzellenz“.



In den letzten Jahren ist der Bereich der Superyachten sehr gewachsen. Wie wird sich dieser Sektor entwickeln und welche Rolle spielt Portals im Mittelmeerraum?



Es heißt immer Puerto Portals sei eine Marina für große Schiffe. Tatsächlich aber sind 80 Prozent unserer Liegeplätze für Schiffe unter 15 Meter Länge reserviert, d.h. nur 20 Prozent für Schiffe über 15 Meter, die auch nicht länger als 70 Meter sein dürfen. Diese Liegeplätze werden aber tatsächlich sehr nachgefragt und Portals spielt in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle im Mittelmeerraum, vor allem bei dem Publikum von Superyachten.



Ist eine Zunahme von sportlichen Aktivitäten geplant? Welche Regatten wird der Hafen veranstalten?



Die Austragung von Regatten ist ein Bereich, den wir definitiv wieder stark machen möchten – dafür setzt sich nicht nur unser Hafenkapitän ein, der ein begeisterter Regattasegler ist. In diesem Winter haben wir erstmals eine Regatta für Drachenboote ins Leben gerufen, die besonders bei der deutschen Community gut ankam, die zweifelsohne die größte Drachenboot-Flotte besitzt, und die wir im nächsten Winter fortsetzen wollen. Im April waren wir im zweiten Jahr Gastgeber für die Copa Mediteranneo und sind es bereits im vierten Jahr für die TP52-Regatta. Das ist sozusagen die Formel 1 für die Regattasegler und Teil eines internationalen Wettkampfes, der unter anderem auch in Miami und Fort Lauderdale ausgetragen wird. Zur Förderung des Wassersports zählt aber auch, dass wir unsere Segelschule für das Handicap-Segeln fit machen wollen.



Als Frau leiten Sie eine Männerdomäne. Wie behaupten Sie sich in der maskulin geprägten Welt der Nautik?



Ich empfinde das nicht so. Ich mache alles genauso, wie ich es schon immer tue, auch zu Hause. Ich war bereits mehrfach in leitender Position in der Wirtschaft. Ich mache einfach meine Arbeit und versuche, immer das Beste zu geben.



Puerto Portals ist das Werk Ihres Vaters. Sehen Sie das Hafenmanagement als familiäre Verpflichtung oder als Berufung an?



Weder als das eine noch als das andere. Puerto Portals war schon immer Teil meines Lebens, als Kind habe ich den Bau des Hafens in den 80er Jahren miterlebt. Als der Hafen einen schwierigen Moment durchlebte, fühlte ich mich verpflichtet, zu helfen und mich zu kümmern. Jetzt gefällt es mir sehr gut in meiner Position und so schnell bekommt mich hier auch keiner wieder weg (lacht).



Sie sind hier aufgewachsen und empfinden sich mehr als Mallorquinerin denn als Deutsche. Wie sehen Sie den Tourismus der Zukunft? Sollte der Zustrom an Touristen eingeschränkt werden, wie es einige fordern?



Nein, das denke ich nicht, aber ich bin der Überzeugung, dass mehr für den Qualitätstourismus getan werden sollte. Tourismus ja, aber ein besseres Publikum. Damit meine ich Besucher, die Respekt zeigen – gegenüber der Kultur, dem Meer und den Menschen hier. Besucher, die Lust haben, Teil der Insel zu werden, sich anpassen können und die Schönheit Mallorcas und der Balearen zu würdigen wissen.



Noch eine letzte Frage: Wie wird der neue Event des Farmers Market jeweils an den Sonntagen im Mai angenommen? War das Ihre Idee?



(Lacht:) Der Markt mit lokalen Erzeugnissen wird sehr gut akzeptiert und es gibt bereits Anfragen, ob man ihn nicht rund ums Jahr, also jeden Sonntag, veranstalten könnte. Und ja, es war meine Idee, die wir aber zusammen ausgearbeitet haben. Abgesehen davon hätte ich noch eine Menge anderer Ideen… dafür bin ich hier schon bekannt.