UMWELTSCHUTZ

Die Posidonia im Rampenlicht

Erneut ging es beim Festival in Palma und in Deià um die Dringlichkeit, für einen besseren Schutz der Meerespflanze zu sensibilisieren
BETTINA NEUMANN

Wir waren bereits im letzten Jahr mit an Bord: Auch in diesem Mai luden die Organisatoren des Posidonia Festivals Mallorca Journalisten und Blogger zu einer Bootsfahrt auf der „Balear“ ein – einem „barca de bou“ genannten, ehemaligen Schleppnetzfischer aus dem Jahr 1924. Ziel des Posidonia-Festivals ist es, für die Bedeutung der (noch vorhandenen) Seegraswiesen zu sensibilisieren: Der zweittägige, von der Balearenregierung unterstützte Event mit Workshops, Ausstellungen und einem abwechslungsreichen Programm für Kinder und Erwachsene, fand zum zweiten Mal in Palma und bereits zum dritten Mal in Deià statt. Mit an Bord waren diesmal zwei Wissenschaftlerinnen – Núria Marbà und Raquel Vaquer – der IMEDEA-Forschungseinrichtung (Insititut Mediterrani d’Estudis Avançats), einem gemeinschaftlichen Instituts der Balearen-Universität und des staatlichen Forschungsrats CSIC, das die Gewässer der Balearen erforscht und in Esporles angesiedelt ist.



Das Forschungsgebiet der beiden Wissenschaftlerinnen ist die Posidonia oceanica: Die Hälfte der zu Spanien zählenden Wiesen dieser endemischen Mittelmeerpflanze befindet sich am Meeresboden der Küstengewässer der Balearen. Als wichtiger Lebensraum für zahlreiche Unterwasserbewohner wie Fische, Muscheln, Krebse, etc. trägt die auch Neptungras genannte Pflanze seit geschätzten 100.000 Jahren entscheidend zur marinen Biodiversität bei. Zudem verhindert das Seegras nicht nur die Erosion an den Stränden, sondern ist ein wichtiger Kohlendioxidspeicher: Auch auf den Balearen binden die Seegraswiesen unter Wasser wesentlich mehr CO2 als die vorhandenen Wälder an Land. Jede Tonne CO2, die das Meer aus der Atmosphäre absorbiert, trägt zwar nicht mehr zur globalen Erwärmung bei, führt aber zu einer schleichenden Versauerung des Meeres, indem sich der pH-Wert und die verfügbaren Mengen an wichtigen Nährstoffen wie Eisen und Stickstoff verändern, wobei das Mittelmeer von sich aus bereits ein an Nährstoffen relativ armes Meer ist, so erklären die Forscherinnen. Unbestritten ist, dass der Bestand an Seegras seit Jahren rückläufig ist. Als hauptsächliche Ursachen nennen sie drei Faktoren: Da die Posidonia überwiegend in Küstennähe wächst – sie benötigt mindestens 10-11 Prozent Sonnenlicht, sodass sie lediglich in einer Tiefe von maximal 45 Metern vorkommt – leidet sie unter Beschädigungen durch menschliche Tätigkeiten beispielsweise durch Ausbaggern bei Hafenerweiterungen oder anderen Arbeiten am Meeresboden. Eine weitere Bedrohnung ist vor allem die organische Verschmutzung, das heißt, die Einleitung unzureichend geklärter Abwässer, aber auch der Klimawandel wirkt sich in Form einer fortschreitenden Erwärmung der Gewässer negativ auf die für das maritime Ökosystem so wichtige Meerespflanze aus. Dabei ist es ein Zusammenspiel dieser Faktoren, wobei – so Núria Marbà und Raquel Vaquer – das Ankern von Schiffen noch den geringsten Anteil an dem Problem hat. Einmal beschädigt ist eine Erholung der Seegraswiesen extrem schwierig und dauert Jahrzehnte, da die Pflanze nur sehr langsam nachwächst, genauer gesagt, lediglich vier bis fünf Zentimeter im Jahr. Normalerweise blüht die Pflanze im Oktober, ist sie aber gestresst, blüht sie mehrfach im Jahr, so geschehen im letzten Jahr, als auffällig viel Seegrasreste angeschwemmt wurden. Das trockene Seegras sollte im günstigsten Fall liegen gelassen werden, damit es sich mit der Zeit zersetzt und wieder ins Meer gelangt, was aber an den Inseln vor allem im Sommer nicht der Fall ist.



Während die alteingesessenen Küstenbewohner um die Bedeutung ihrer Unterwasserwiesen einigermaßen Bescheid wissen, mangelt es an Information für die Besucher, speziell unter Badegästen und Bootsfahrern. „Insgesamt ist aber die Leistung der Pflanze für die Sauberkeit des Meeres und für intakte Strände nach wie vor nicht ausreichend bekannt und es ist noch viel mehr Aufklärung nötig“, sind sich Núria Marbà und Raquel Vaquer einig.  Die Veranstalter des Posidonia-Festivals hingegen zeigten sich optimistisch: „Wir konnten mehr Veranstaltungen auf die Beine stellen als im letzten Jahr und haben eine größere Resonanz erlebt. Ein Erfolg ist, dass wir bei unserem diesjährigen Forum für einen nachträglichen Tourismus sehr viele verschiedene Interessensvertreter –  aus der Nautikbranche, der Fischereiwirtschaft,  Biologen und Wissenschaftler, Politiker und aktive Umweltschützer  –  an einen Tisch bekommen haben. Es sieht so aus, als ziehen alle mehr und mehr an einem Strang und erkennen die Notwendigkeit des gemeinsamen Dialogs und Handelns“, resümiert Arantxa Ormaechea als eine der Organisatorinnen.