AUSFLUGSTIPP

Kleine Rundfahrt durch den Hafen

Eine unkomplizierte, angenehme und vor allem familienfreundliche Art, sich Palma mal wieder vom Wasser aus anzuschauen
BETTINA NEUMANN

Ein kleiner aber feiner Ausflug ist eine einstündige Rundfahrt durch Palmas Hafenbecken. Perfekt an Tagen, an denen die Sonne schön scheint, es aber noch etwas zu kühl zum Baden ist. Oder auch, um sich beispielsweise nach einem ausgiebigen Stadtbummel ein bisschen auszuruhen. Zur Auswahl stehen verschiedene Anbieter, mein Lieblingsboot ist das von Marco Polo:



Seit 50 Jahren schippert dieses Unternehmen zwischen März und Oktober von Montag bis Samstag durch das Hafenbecken. Im Einsatz ist der kleine, weiß-blaue Ausflugsdampfer Mar y Sol II aus dem Jahr 1973. Er bietet Platz für bis zu 87 Passagiere und legt stündlich zwischen 11 und 16 Uhr an der Escalera Real neben der Bar Pesquero ab. Die Bootstour ge-staltet sich als eine „schön spani-sche“ Angelegenheit: Herzlich begrüßen die Bootsmänner Mateu und Chema die Gäste, die sich auf die zwei Etagen an Deck verteilen. Die Tickets gibt‘s an Bord (Erwachsene zahlen 12,- und Kinder 6,- Euro). Am hölzernen Steuerrad steht „Capitán“ Francisco Font, der das Schiff seit sieben Jahren steuert und sich, wie er sagt, täglich aufs neue an seinem Job erfreut („auch wenn es in dem großen Hafen immer enger wird, vor allem im Sommer“).



Bootstour mit Überraschung. Kaum sind wir losgefahren, bekommen wir eine Tapa mit Serrano-Schinken und Kräckern gereicht. Wer möchte, holt sich etwas zu trinken an der kleinen Schiffsbar. Die Preise erscheinen wie von Anno dazumal, ebenso die leise Musik im Hintergrund. Während wir durch das Hafenbecken schippern wird auf Spanisch, Englisch und Deutsch erklärt, was wir alles zu sehen bekommen (und dass über 3.000 Privatboote im Hafen liegen!). Zur linken Seite geht es vorbei an den beeindruckenden Yachten in der Marina de Moll Vell und an Astilleros de Mallorca, wo die für Reparaturarbeiten und zur Überwinterung „eingepackten“ Megayachten parken. Zur rechten Seite dann der Fisch-markt und der Hafen für die Berufsfischer, die Yachtclubs vom Real Club Náutico de Palma und vom Club de Mar. Wir passieren den Fährhafen und sind beeindruckt von der Größe der plötzlich so nahen Kreuzfahrt-schiffe. Auch erfahren wir, dass der Leuchtturm von Porto Pi mit 700 Jahren der drittälteste weltweit ist. Jetzt machen wir kehrt, und zurück geht es übers offene Meer, es schaukelt ein bisschen, aber nicht schlimm.



Die ganze Fahrt über bieten sich traumhafte Blicke auf die Skyline von Palma: den Paseo Marítimo, das Castillo de Bellver – und natürlich immer wieder auf die Kathedrale. Niemand, der nicht ständig den Fotoapparat bzw. das Handy zückt. Und wie gefällt es den Passagieren? Das sagt die elfjährige Lily aus Berlin: „Ich fand‘s toll, dass man Schinken und Kräcker umsonst bekommen hat, und die Bootsleute waren auch sehr nett. Mir hat das sehr gut gefallen, wir haben viele schöne Sachen gesehen.“ Ihr Vater, Dr. Martin Hertkorn, fügt hinzu: „Abgesehen von den gereichten Häppchen und sich die Luxusyachten einmal aus der Nähe anzuschauen, hat mir die Führung gut gefallen, gerade deshalb, weil sie nicht in perfektem Deutsch war. Das macht die ganze Sache familiär und ausgesprochen nett.“ Stimmt, und zwar für alle, definitiv nicht nur für Touristen.