UMWELTSCHUTZ

Neues Gutachten über die Abwasserproblematik

Eine vom Nautiksektor in Auftrag gegebene Studie belegt, dass die Abwässer bis zu 600 Hektar Posidonia in Palmas Bucht betreffen
J.L MIRÓ

Ein Gutachten über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Posidonia bestätigt die verheerenden Auswirkungen der schlechten Abwasserklärung auf den Balearen, die nicht den europäischen Standards entspricht. Eine der markantesten Feststellungen dieser Studie ist, dass die Entsorgung von Abwässern in der Bucht von Palma in den letzten 30 Jahren eine Fläche zwi-schen 500 und 600 Hektar (das entspricht einer Größe über 840 Fußballfeldern) an Posidoniawiesen vor der Küste betroffen haben könnte.



Die Studie wurde von der Beratungsgesellschaft Tecnoambiente durchgeführt und war von ver-schiedenen spanischen Verbänden, wie dem der Großyachten (AEGY),  der Wassersporteinrichtungen (ANADE), der Maritimen Unternehmen (APEAM), der Mittelmeer-Segler (ADN) und der Yachtclubs der Balearen (ACNB) in Auftrag gegeben worden. Ihr Verfasser, Joan Ramon Vidal, stellte sie am 20. März in der mallorquinischen Handelskammer vor. Das Gutachten sagt aus, dass aus den Siedlungsgebieten der Balearen täglich bis zu 200 Mio. Liter Grauwasser ins Meer geleitet werden. Diese Menge, die „die Klärungskapazität bei weitem überschreitet“, gibt eine Vorstel-lung von den gigantischen Auswirkungen, die die Verschmutzung durch den Menschen auf das marine Ökosystem hat. Zu den Maximalmengen kommt es vor allem in den Sommermonaten, also in der Hochsaison. Die Inseln, deren Bevölkerung auf 1,2 Millionen Einwohner geschätzt wird, wurden 2017 nach offiziellen Angaben des Nationalen Statistikinstituts von 13,7 Millionen Touristen besucht (das  sind 6,1 % mehr als im Vorjahr).



Das Gutachten lässt keinen Zweifel daran, dass die Abwässer die „wesentlichsten Auswirkungen“ auf die Posidonia haben.  Zu den Abwässern zählen nicht nur das schlecht geklärte Abwasser, das durch Unterwasserrohre ins Meer geleitet wird, sondern auch die Sole-Reste aus den Entsalzungsanlagen (ca. 15 Mio. Kubikmeter pro Jahr ) und der Schmutz durch Baggerarbeiten in sensiblen Gebieten. Das immer wieder beschuldigte Ankern von Sportbooten hat laut der Studie eine wesentlich geringere Bedeutung, so wie sich auch die Bootsfahrer verteidigen, die sich als Zielscheibe von öffentlichen Verwaltungen und diversen Umweltorganisationen zunehmend angegriffen fühlen.



Auf den Balearen gibt es 104 unterseeische Abwasserrohre (die Redaktion der Gaceta Náutica zählt 124), die „im allgemeinen und lokal“ auf empfindliche Küstenökosysteme treffen. Joan Ramon Vidal befürchtet, dass „allein die drei Abwasserrohre in der Bucht von Palma insgesamt 6 Mio. Quadratmeter mit Posidonia bewachsenem Unterwassergrund in Mitleidenschaft ziehen könnten, was 0,64 %  des Bestandes dieser Pflanze im gesamten Archipel darstellt“. Diese erschreckenden Daten bestätigen die investigative Berichterstattung der Gaceta Náutica der letzten Jahren über die unzureichende Abwasserklärung und die maroden unterseeischen Abwasserrohre.



Es sei daran erinnert, dass die Gaceta Nàutica als Erste über die Abwasserrohre in Bereichen der Posidonia und die unzureichende Klärung aufgrund mangelnder Investitionen in die Kläranlagen berichtet hatte. In weiteren Reportagen wurde auf den maroden Zustand der Rohre aufmerksam gemacht:  speziell dem von Ciudad Jardín, das offene Lecks zeigte und nicht weit entfernt vom gut besuchten Strand liegt. Mit Hilfe des Universitätsinstituts für Mikrobiologie und Robotik konnte bewiesen werden, dass die Einleitungen aus Palmas Kläranlage die Ursache für das Auftreten von Cyanobakterien in der Bucht der Balearenhauptstadt sind.



Das vom Nautiksektor in Auftrag gegebene Gutachten fasst verschiedene wissenschaftliche Studien zusammen, die eine „signifikante Auswirkung“ auf den Meeresboden offenlegen. Das Ankern von Sportbooten steht dabei unter allen Bedrohungen an letzter Stelle. In diesem Zusammenhang räumt Joan Ramon Vidal ein, dass seine Schlussfolgerungen auf „Einschätzungen und hypothetischen Szenarien aufgrund von Daten aus verschiedenen Quellen basieren“. Er schätzt, dass das Ankern im schlimmsten Fall für den Verlust von rund 27.500 Quadratmetern pro Jahr verantwortlich ist, das entspricht 0,003 % der Gesamtfläche der Posidoniawiesen an den balearischen Küsten.



„Die Bojenfelder sollen von der öffentlicher Hand verwaltet werden“.



Auch der Balearenbeauftragte für Naturschutz und Artenvielfalt, Miguel Mir, war bei der Präsentation der Studie über die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Posidonia-Wiesen in der Handelskammer anwesend. Er bestätigte, dass „nach der öffentlichen Vorstellung und Gesprächen mit der Nautikbranche und den betroffenen Verwaltungen vereinbart wurde, dass die Bojenfelder öffentlich verwaltet werden sollen“. Auch merkte er an, dass eine öffentliche Verwaltung erschwingliche Preise garantiere und verdeckte Marinas vermeide und man so den Sorgen der Branche entgegenkomme. Miguel Mir garantierte ebenfalls das freie Ankern von Booten auf Sandböden: „Bereits in seinem ersten Entwurf war in dem Dekret niemals von einem Ankerverbot auf Sand die Rede gewesen, sodass der Sektor beruhigt sein kann: Das einzige Ziel ist die Erhaltung der Posidonia.“