AUSFLUGSTIPP

Ein Tag in Palma - nicht nur für Seefahrer

Wir nehmen Sie mit, auf einen kleinen Stadtspaziergang, bei dem wir stets den Bezug zum Meer bewahren
BETTINA NEUMANN

Wir starten dort, wo die Kreuzfahrer starten: Los geht’s an der Moll Vell, der Alten Mole. Zunächst spazieren wir in die Altstadt, die Dalt Vila. Dafür überqueren wir den Paseo Marítimo und laufen die alte Treppe hoch in Richtung Oberstadt und Kathedrale. Palmas Wahrzeichen La Seu ist der Prachtbau der Insel, begonnen im Jahr 1306 auf Initiative von König Jaume II. und erst 1601 fertiggestellt. Im Jahr 2000 gestaltete der bekannteste Maler der Insel, Miquel Barceló, im Auftrag des Bischofs von Palma die Seitenkapelle des Heiligen Petrus neu – mit dem Gemälde „Wundersame Vermehrung von Brot und Fisch“ und fünf Glasfenstern in Grau und Blau, die das Meer symbolisieren. Und das Meer reichte einst tatsächlich bis an diesen alten Teil der Stadtmauer, der noch aus maurischen Zeiten stammt. Doch nicht nur der Handel erfolgte übers Meer, sondern auch die Überfälle der Piraten, so dass noch eine vorgelagerte Stadtmauer gebaut werden musste. Entdecken wir nun die schmalen Gassen der Dalt Vila: Auf der hübschen Plaça Santa Eulalia können wir einen Kaffee-Stopp einlegen – oder auch in Palmas ältestem Kaffeehaus Ca‘n Joan de S‘Aigo in der Carrer de Can Sanç. Seit dem Jahr 1700 geht es hier gewissermaßen auch um Wasser: „Juan vom Wasser” war der erste Eishersteller auf der Insel, der Schnee in den Bergen sammelte, dieses zu Eisblöcken fror und in den so genannten Schneehäusern in der Tramuntana lagerte, bis er es in Palma zu Eis verarbeitete.



Weiter geht es durch die ge-schäftigen Gassen über den Rat-hausplatz, die Plaça Cort, in die Unterstadt. Nicht ohne der Kirche Sant Nicolau in der gleichnamigen Straße einen Besuch abzu-statten: Sie gehört zu den fünf ältesten Kirchen, die sich auf ehemaligen Moscheen befinden und ist dem Schutzpatron der Seefahrer gewidmet. Über Palmas Prachtboulevard Passeig del Born – der über den alten Flusslauf des Torrente de la Riera gebaut wurde – erreichen wir Palmas Unterstadt. In der “Ciutat Baixa“ lebten einst Fischer, Händler und Korsaren, vor allem letztere haben es als Piraten mit offizieller Erlaubnis zu großem Reichtum gebracht. Wer einen Blick in den Innenhof des heutigen Hotels Tres in der Carrer Apuntadores wirft, entdeckt das Wappen der Korsarenfamilie, die den Stadtpalast errichten ließ. Nicht mehr weit ist es nun zur Ausstellungshalle und ehemaligen Seehandelsbörse Sa Llotja im gleichnamigen Ausgehviertel gegenüber vom Hafen. Manchmal waren die Waren nicht rechtzeitig da, so dass die Händler die Wendeltreppe hoch gerannt sind, um nach ihren Schiffen Ausschau zu halten. Auch das Es Baluard-Museum ist einen Besuch wert, nicht nur in Dingen Kunst: Die Aussicht von der Terrasse des Museumscafés auf den Real Club Náutico von Palma und den Wald aus Schiffsmasten lohnt sich unbedingt.



Die Stadt erkunden macht hungrig, daher seien hier noch drei Restaurants für echte Seefahrer empfohlen: Ca‘n Eduardo im Hafen von Palma mit frischem Fisch direkt von der daruntergelegenen Fischhandelsbörse, Caballito del Mar in der Llonja mit etwas teureren, aber sehr feinen Fischgerichten oder El Aqua Nauta: leichte (Meeres-)Surferküche aus Baja California in Palmas ehemaligem Fischerviertel Santa Catalina, das heute voll im Trend ist.