Ein Freund der Holzboote

Jan van der Horst widmet sich in seiner Werkstatt im Hafen von Palma einer alten Tradition: Der Kieler hat sich auf die Reparatur von Booten aus Holz spezialisiert.
BETTINA NEUMANN

Wer an der „Mollet“ im Hafen hinter dem kleinen Parkplatz des Restaurants Can Eduardo und der Werft Astilleros de Mallorca entlangläuft, entdeckt eine besondere Werkstatt: Manos del Mar ist das Reich von Bootsbaumeister Jan van der Horst.



Wohin man blickt, hier ist fast alles aus Holz – abgesehen von den vielen alten Feilen, Winkeln, Schraubzwingen und ähnlich urigem Werkzeug. Das hat der Norddeutsche kurzerhand in einem LKW von Deutschland nach Mallorca verschifft, als er 2014 seine Werkstatt von Kiel auf die Insel verlegte. Hier, wo zuvor ein Metallbauer schweißte, repariert er jetzt alte mallorquinische Holzboote: llaüts und botes. Jan setzte in die Werkhalle neue Fenster ein, verlegte einen Holzboden und baute selbst das große Tor: „Jetzt kann ich hier einen Neubau bis zu 12 Metern Länge auf Kiel legen." Einen Neubau, wie seinerzeit sein eigenes Schiff, eine klassische Yacht, die Jan sich nach alten Plänen selbst gebaut hat und die er in diesem Jahr nach Mallorca brachte, wo sie jetzt im Hafen von Andratx für Bewunderung sorgt.



Eines seiner diesjährigen Winterprojekte ist die sieben Meter lange, 1973 gebaute llaüt namens „Santa Francisca“: ein altes Fischerboot aus mallorquinischer Kiefer, das der neue Eigner als Freizeitboot benutzen möchte. Hierfür wird der Bootsbaumeister das alte Deck erneuern und dabei etwas anheben und eine Kajüte mit Aufbau und zwei Kojen bauen. Der Rumpf wird auf Schwachstellen überprüft und repariert, schadhafte Planken werden ausgetauscht und neu kalfatet. Außerdem wird ein neues Cockpit gebaut, der Motor überholt und ein kleines Rigg angefertigt, damit das alte Boot in sein neues Leben hineinsegeln kann. 



Zu seinen Kunden gehören aber auch große klassische Yachten wie die Spartan  (N.G.Herreshoff, 1915) und die Kelpie (A.Mylne,1903). Für diese baut er neue, leichte Spieren wie Gaffelbäume, Spinnakerbäume und dieses Jahr vielleicht sogar einen neuen Mast. Eine Kunst, die nur noch wenige beherrschen.



Woher stammt diese Leidenschaft zu Booten aus Holz? Der 52-Jährige kommt aus einer Familie von Seefahrern, bereits der Vater und beide Großväter waren leidenschaftliche Segler und Holzbootfans. „Es hat mich schon als Kind fasziniert, wie Menschen so etwas bauen können“, erzählt er.  Nach der Bootsbau-Lehre in Kiel und bestandener Gesellenprüfung segelte er mit einem Freund nach Norwegen und trampte die Küste hinauf und hinunter, um (erfolgreich) nach Arbeit in einer Werft zu suchen. In Norwegen, in den USA und in der eigenen Kieler Werft perfektionierte er Wissen und Können.



Wie hat es ihn nach Mallorca verschlagen? Eher zufällig: Ein Freund rief an mit der Bitte, ein Teakdeck auf dessen Yacht zu verlegen. Nach einem weiteren, ähnlichen Anruf und nachdem er seine Frau kennengelernt hatte, die bereits in Spanien lebte, stand die Entscheidung fest, Arbeit und Leben Richtung Mittelmeer zu verlegen. Ein guter Entschluss? Jan ist sehr zufrieden: „Das Interesse an Holzbooten steigt allmählich wieder.“ Die Welt des Holzbootbaus sei zwar überall auf der Welt ähnlich, aber habe eben doch kleine regionale Unterschiede: „Zum Glück gibt es hier noch Leute, die man fragen kann.“ Was ihn im Übrigen begeistert: „Das Klima hier ist herrlich und man kann das ganze Jahr über segeln.“ Und das tut er an seinen freien Wochenenden auch mit großer Leidenschaft.