UMWELTSCHUTZ

Cyanobakterien breiten sich in Palmas Bucht aus

Ein Jahr nach der Entdeckung der „toten Zone“ nahe Ciudad Jardín unternahmen GN-Journalisten einen erneuten Tauchgang
JUAN POYATOS

Das Wasser war ausgesprochen trübe und sah fast aus wie Rauch. Aber dem war nicht so, tatsächlich war es fäkale, sich in Auflösung befindende Materie. Noch einmal sind wir in der „toten Zone“ in der Bucht von Palma abgetaucht und mussten feststellen, dass der Zustand noch schlimmer als im letzten Jahr ist. Es gibt keine kristallklaren Gewässer mehr in der Bucht von Palma, dafür aber Fäkalwasser.



Als wir im vergangenen Jahr im August in diesem Bereich getaucht sind, ca.1.000 Meter vom Strand von Ciudad Jardín entfernt, entdeckten wir rote kreisförmige Flecken, die sich als „Teppiche“ von Cyanobakterien herausstellten, wie die Analyse der Forscher der Universität bestätigte. Es waren große Flecken, einige hatten sogar einen Durchmesser von bis zu zwei Metern. Wir schätzten, dass die Flecken eine halbkreisförmige Ausbreitung von mehreren tausend Metern Durchmesser besetzten.



Nun, ein Jahr nach der Entdeckung dieser in der Tat „toten Zone“ in der Bucht von Palma, sind wir zurückgekehrt, um erneut zu tauchen und konnten beobachten und filmen, in wie weit sich die Flecken verbreitet haben. In den Zwischenräumen der roten Flecken finden sich nun auch dünne  rosa Bakterienschlieren. Es sind jetzt keine isolierten, voneinander getrennten Flecken mehr, sondern die gesamte tote Zone ist besiedelt worden.



Die Zufuhr von städtischen Fäkalabwässern begünstigt die Ausbreitung dieser Art von Bakterien. Bei dieser Art von Abwasser handelt es sich um Tonnen zerkleinerter brauner und völlig unzureichend geklärter Materie, die sich im Meer auflöst. Für ihre „Verbrennung“ wird ein Oxidationsmittel benötigt und zwar der im Wasser gelöste Sauerstoff. Dieser Prozess führt zu einem Sauerstoffmangel in diesem Bereich der Bucht, was wiederum die Cyanobakterien entstehen lässt.



Diese Geschichte erinnert an den berühmten Smog von London. Der ewige Nebel, der diese Stadt umhüllte, war gar kein Nebel, sondern der Rauch von Tausenden Londoner Kaminen. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Art der Beheizung der Häuser in England verändert und die Land-schaft von London wurde wieder heller, der Nebel war vorbei.



Vielleicht können wir eines Tages das gleiche über unser Meer erzählen und das Sonnenlicht wird erneut das kristallklare Wasser durchdringen, das wir früher einmal hatten. Wir brauchen einen dringenden Wechsel in Palma oder wir versinken im braunen Smog.