NACHRICHTEN

Lizenz für fünf weitere Jahre Verschmutzung

Dieser Zeitraumwurde den Kläranlagen zugebilligt, um ihre Installationen an das neue Dekret zum Schutz der Posidonia anzupassen
J.L. MIRÓ / J. POYATOS

Der Umweltminister der Balearen Vicenç Vidal stellte am 16. Mai den ersten Entwurf der Ver-ordnung zum Schutz des ozeanischen Seegrases, der Posidonia, vor. Dieser sieht für die unterseeischen Abflusssysteme, die fäkale Abwässer ins Meer leiten, einen Zeitraum von fünf Jahren vor, „um ihre Tätigkeiten so zu gestalten, dass diese mit der Erhaltung der Posidonia kompatibel sind“. Anders ausgedrückt heißt das, dass sie weitere fünf Jahre die Abwässer ungehindert ins Meer leiten können. Danach sind sie verpflichtet,  „alle bestehenden und zugelassenen Anlagen, die eine Gefahr für die Posidonia darstellen könnten, ent-sprechend der neuen Verordnung anzupassen“.



Die Notwendigkeit für eine bessere Wasserklärung der ins Meer geleiteten Abwässer wird bereits in den ersten Zeilen des Verordnungsentwurfs betont und beinhaltet die Erkenntnis, dass die öffentlichen Abwasserrohre eine Bedrohung für die marinen Ökosysteme und speziell für die Posidonia darstellen. Es ist das erste Mal, dass die Balearenregierung in einem Gesetzestext so deutlich Stellung zu diesem Problem bezieht.



Der Generaldirektor für Naturgebiete und Biodiversität, Miquel Mir, bekräftigte nach der Präsentation des Entwurfs gegenüber der Gaceta Náutica, dass sich die balearische Regierung der Situation bewusst sei und deshalb in einem Gesetzesentwurf das Problem benannt und Stellung bezogen habe.



Die Gaceta Náutica hatte mit mehrfacher Berichterstattung und Filmaufnahmen die unzureichende Klärung der ins Meer geleiteten Abwässer enthüllt. Im vergangenen Februar veröffent-lichte die Zeitung in einer Exklusivnachricht die Resultate der wissenschaftlichen Untersuchungen zu den Auswirkungen der Abwässer auf den Meeresboden, wobei nachgewiesen werden konnte, dass die Bakterien im Meer von überschüssiger organischer Materie verursacht werden und woher diese stammt.



Der Regierungsentwurf wurde mit großer Begeisterung von den Umweltverbänden der Balearen, wie dem GOB und der Organisation Terraferida, aufgenommen. Sie feierten die Ankerbeschränkungen und die neue Verordnung des Umweltministeriums – obwohl der Schutz der Posidonia ja bereits im Artenschutz und sogar im Strafgesetzbuch verankert ist und obwohl die Kläranlagen jetzt sozusagen die Erlaubnis haben, ohne Probleme weitere fünf Jahre und über die laufende Legislaturperiode hinaus, weiterhin zu verschmutzen, es sei denn, das Umweltamt entscheidet sich, einzugreifen.



Zusammengefasst sieht das vorgestellte Dekret des Umweltministeriums ein Ankerverbot auf Flächen vor, auf denen die Posidonia wächst und die Ver-pflichtung  der Verwendung von Bojen in den betroffenen Gebieten. Für den Fall, dass sich Posidonia in der Nähe befinden könnte, besagt der Gesetzestext, „muss verhindert werden, dass die Ankerkette oder andere Elemente beim Ankern das Seegras in Mitleidenschaft ziehen könnten“. Eine Nichtbeachtung dieser Vorschriften ist strafbar und wird mit Geldbußen belegt, deren Höhe bis jetzt nicht angegeben wurde. Als leichtes Vergehen wird die Zerstörung von weniger als einem Meter Posidonia angesehen, mehr als ein Meter gilt als schweres und über zehn Meter als sehr schweres Vergehen.



Der Verordnungsentwurf durchläuft vor der endgültigen Genehmigung durch den Inselrat noch eine Zeit der juristischen Geltendmachung. Während Minister Vicenç Vidal den Entwurf der Presse und den Branchenverbänden vorstellte, äußerte er sich nicht dazu, ob die zukünftigen Bojenfelder zur Vermeidung des Ankerns auf der Posidonia kostenlos oder kostenpflichtig sein werden und ob diese direkt oder über einen Lizenznehmer verwaltet werden. Die Kontrolle über diese abgegrenzten Bereiche, so sagte er, „kann von den Kommunen oder anderen Behörden der Küsten angefordert werden“. Er versicherte jedoch, dass der endgültige Erlass das Management regeln werde, von dem er sich nicht scheute, es als „zukunftsweisend“ zu beurteilen.



Weiterhin gab Mir zu verstehen, dass das Ankern auf Sand durch den Erlass nicht beeinträchtigt werde und zwar „grundsätzlich bzw. vorausgesetzt, dass die Ankerkette das Seegras nicht beschädigt“. Das gilt sogar in den durch die Bojen abgegrenzten Gebiete.



Im Verordnungsentwurf wird mehrfach daran erinnert, dass die ozeanische Posidonia gesetzlich geschützt ist und dass die Balearen über rund 50 % des bis jetzt bekannten Vorkommens in Spanien verfügen, „was eine Vorstellung von ihrem guten Zustand vermittelt“. Gleichzeitig aber warnte er vor der Tatsache, dass dieser Zustand gefährdet sei.



Die Verordnung erkennt gleichfalls an, dass die Gefahren für die Posidonia sowohl vom Land herrühren, als auch von den Aktivitäten auf dem Meer bedingt sind, und zwar speziell durch die Freizeit-Segler und die Angler, bzw. Fischer.



ERNEUTER VORFALL



Am 3. Mai kam es zu einer erneuten Verschmutzung durch nicht ausreichend gereinigte, fäkale Abwasser in der Bucht von Palma. Diesmal erfolgte die Verunreinigung durch ein Unterwasser-rohr, das nur knapp 500 Meter vom Strand von Can Pastilla entfernt liegt. Wie der Zuständige für den Abwasserzyklus von Emaya, Jaume Femenias, erklärte, verlief die Verschmutzung über acht Stunden und bedingte sich durch dringende Reparaturarbeiten an einem zentralen Abwasserrohr.