SOZIALPROJEKT

Lernen, durchs Leben zu segeln

Der Verein Joves Navegants ist ein bemerkenswertes Projekt für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche. Das Ziel lautet, die Teilnehmer der Projekte in der Nautikbranche unterzubringen.
Bettina Neumann

Pablo aus Manacor hatte als Jugendlicher keine wirkliche Perspektive, die Mutter war gestorben, der Vater saß im Rollstuhl, das Geld war knapp, Alkohol und Drogen lockten.



Das war vor ein paar Jahren. Heute segelt er als Kapitän um die ganze Welt, steuert Superyachten und spricht perfekt Englisch. Das ist nur eine von zahlreichen Erfolgsgeschichten des uneigennützigen Vereins Joves Navegants („Junge Segler“). 



Segelbegeisterte Mallorquiner gründeten 1992 den Verein, der zum Ziel hat, Jugendliche aus sozial schwachen Familien für den Sport zu begeistern und am besten zu einer Ausbildung in der Nautikbranche zu animieren. Der Verein finanziert sich seitdem ausschließlich durch Spenden. Während der Krise der letzten Jahre brachen diese gefährlich ein, so dass das 21 Meter lange Vereinsschiff „ S.Y.Galaxie“, das der Verein einer privaten Spende verdankt, mehr im Hafen bleiben musste, als hinaus fahren konnte. Das hat sich jetzt zum Glück wieder verbessert: Erst kürzlich haben verschiedene Spenden u.a. von der Santander-Stiftung und dem Rotary Club Calvià, dafür gesorgt, dass das Schiff wieder ver-stärkt auslaufen kann. An Bord sind stets der Skipper, ein Sozialarbeiter und ein Psychologe, sowie mindestens acht junge Leute, die es ansonsten nicht einfach im Leben haben.



Auf zur Ruta de la Sal 

„In diesem Jahr können wir auch endlich wieder an der Ruta de Sal teilnehmen“, freut sich die Koordinatorin Cati Comas. Die beliebte Regatta verläuft auf den alten Salzruten mit Startpunkten von Barcelona, Denia und Mallorca bis nach Ibiza. Bereits in diesen Tagen trainieren die jungen Segler für die Oster-Regatta. Ihr Heimathafen ist der Club de Mar, der die Joves Navegants tatkräftig unterstützt und wo Freiwillige das Schiff instandhalten. Beim zweiten Projekt Mar de Joves werden zwischen Juni und September jeweils zwischen drei Tagen und einer Woche Segeltörns angeboten. Dann werden zwischen Mallorca und Menorca Teamgeist, Zusammenleben, mit Anpacken, Regelbeachtungen und andere soziale Fähigkeiten geübt, abgesehen vom Spaß am Segeln als Freizeit-sport und Alternative zu Drogen und Alkohol. Wer sich zuvor nicht akzeptiert gefühlt hat, der wird an Bord gebraucht und wertvoll. 



Neuerdings arbeitet Joves Navegants verstärkt mit Sozialdiensten, aber auch mit den Gemeindeverwaltungen zusammen. „Immer wieder sind die Sozialarbeiter erstaunt, wie diese Jugendlichen an Bord gehen und wie sie wieder von Bord kommen – ein riesengroßer Unterschied“, erzählt Cati Comas.  In über 20 Jahren konnte Joves Nagevants bereits 1.400 Kindern und Jugendlichen helfen, wobei der Schwerpunkt auf den 16- bis 18-Jährigen liegt.



Nicht nur ein soziales Miteinander wird gelernt, sondern auch die Grundbegriffe des Segelns und vieles über das Meer. Hin und wieder ist ein Biologe mit an Bord, der der Crew dann etwas über die Flora, Fauna und das marine Ökosystem erzählt und es wird nach Delfinen ausschaut gehalten. Auch kann getaucht und geschnorchelt werden. Oder eine Ausfahrt an der Küste entlang hat einen historischen Background, erzählt Geschichten von Piraten, Schmugglern und der Reconquista. Doch all das kostet Geld und das ist nach wie vor knapp. Auch braucht das Vereinsschiff demnächst einen neuen Motor. „Jede Spende ist willkommen, auch wenn sie noch so klein ist. Ebenso Sachspenden wie Bettwäsche, Handtücher und alles, was an Bord gebraucht wird“, versichert Cati Comas. Die Geldspenden sind natürlich absetzbar.